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Gedanken aus dem Lektoratsatelier

Deine Geschichte bleibt deine. Auch im Lektorat.

Illustration zum Thema Was bedeutet „gesehen werden“ beim Lektorat?

Wenn ich ein Manuskript lese, schaue ich zuerst aus der Perspektive einer Leserin darauf. Denn am Ende soll jemand dein Buch in den Händen halten und sich im besten Fall darin verlieren können.

Ich möchte verstehen, was deine Figuren bewegt, mit ihnen mitgehen und wissen wollen, wie es weitergeht. Wenn ich stolpere, schaue ich genauer hin: Fehlt mir eine Information? Passt eine Handlung nicht zu dem, was ich bisher über die Figur weiß? Oder ist die Irritation genau so beabsichtigt?

Es soll weiterhin nach dir klingen

Besonders wichtig ist mir, dass deine Autorenstimme erhalten bleibt. Deshalb gibt es zu Beginn ein Briefing. Darin halten wir fest, was dir wichtig ist, welche Unterstützung du möchtest und wie weit ich in deinen Text eingreifen darf.

Auf dieser Grundlage bearbeite ich dein Manuskript. Wir müssen nicht jede einzelne Änderung vorab besprechen. Ich halte mich an unseren vereinbarten Rahmen und mache meine Bearbeitung nachvollziehbar. Wenn etwas darüber hinausgeht oder wichtige Fragen offenbleiben, klären wir das im Austausch.

Du erschaffst die Buchwelt. Ich unterstütze dich dabei, sie so zu erzählen, dass sie deine Leser:innen erreicht und berührt.

Auch ein „Das hat er jetzt nicht getan!“ darf sein

Ich lese deine Geschichte nicht nur mit einer gedanklichen Fehlerliste daneben. Es darf auch diesen Moment geben, in dem ich kaum glauben kann, was dein Protagonist gerade getan hat. Genau solche Reaktionen gehören zum Lesen dazu.

Für die Überarbeitung ist dann interessant: Hat mich die Szene überrascht, weil sie gut vorbereitet war und trotzdem unerwartet kam? Oder fehlt mir etwas, um die Entscheidung zu verstehen? Darüber können wir sprechen.

Rückfragen sind Teil der Zusammenarbeit

Mir ist der Austausch wichtig. Nicht jede Anmerkung erklärt sich beim ersten Lesen, und manchmal habe ich eine Absicht anders verstanden, als du sie gemeint hast. Dann hilft ein Gespräch mehr als stilles Rätselraten über einen Kommentar.

Du darfst nachfragen, widersprechen und erklären, was dir an einer Stelle wichtig ist. Auch den Rahmen für Rückfragen halten wir zu Beginn fest.

Dein Manuskript muss dafür nicht perfekt sein. Wenn du vor deinem ersten Lektorat stehst, findest du hier ein paar Fragen, die du vorher klären kannst.